Mary K. Hawes

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Mary K. Hawes war eine stille Pionierin der Computerära. Als Analystin bei Burroughs initiierte sie 1959 das Treffen, das den Grundstein für COBOL legte – eine englisch-lesbare, hardwareunabhängige Programmiersprache. Ihr Beitrag lag in der Weitsicht und Organisation, die Mensch und Maschine verbinden sollte, und machte sie zu einer der Architekt:innen moderner Datenverarbeitung.

Ein leiser Impuls
Im Frühjahr 1959 saß Mary K. Hawes, Produktplanungs-Analystin bei der ElectroData-Division der Burroughs Corporation, mit Blick auf ein Büro voller Lochkarten, Rechnungsmaschinen und Computer-Systeme und hörte das leise, aber beharrliche Klagen der Wirtschaft: Viele Daten, viele Formate, viele Maschinen, die nicht miteinander sprachen. Sie erkannte: Wenn Programme nur für ein System geschrieben sind, dann ist ihre Lebensdauer kurz und ihre Anpassung teuer. Eine Industrie, die sich selbst im Weg steht. Also schlug sie vor, eine gemeinsame Geschäfts-Programmiersprache zu schaffen, hardwareunabhängig, in einfachem Englisch. Damit Programmierer nicht mehr im Maschinen-Dschungel verloren gehen.
Der Einladung folgt Bewegung
Am 08. April 1959 lud Hawes zu einem Treffen an der University of Pennsylvania Vertreter von Computer-Nutzer:innen, Hersteller:innen und Wissenschaftler:innen ein – mit dem Ziel, einen formellen Rahmen zu schaffen, in dem ein sprachliches Übersetzungsproblem der automatisierten Datenverarbeitung gelöst werden konnte. Aus diesem Impuls entstand das sogenannte Short-Range Committee des Conference on Data Systems and Languages (CODASYL), in dem Hawes den Vorsitz über die Untergruppe Data Descriptions übernahm: sie kartografierte die Probleme der damaligen Compiler-Software und bereitete die Spezifikationen für eine gemeinsame Sprache vor.
Der Moment wird Sprache – COBOL
Die Vision wurde Wirklichkeit: Aus dem Treffen im Mai 1959, bei dem etwa 40 Vertreter:innen aus Industrie und Hersteller:innen teilnahmen, entstand der Grundstein für die Common Business Oriented Language – COBOL. COBOL war konzeptionell so gedacht: eine Programmiersprache, die Programme in ein dem englischen Sprachfluss angenommenes Format bringt – lesbar für Menschen, nicht nur Maschinen, und doch ausführbar auf verschiedenen Großrechnern. Hawes Rolle ist dabei oft übersehen worden. Sie war nicht die einzige Schöpferin dieser Sprache, doch sie war eine der Initiator:innen, die den Dialog anstieß. Und ohne diese Initialzündung hätte die Entwicklung womöglich anders ausgesehen.
Zwischen den Zeilen der Technik
Was fasziniert an Mary Hawes Beitrag, jenseits der nüchternen Daten? Es ist ihr Blick für das Zwischen-Systemische: Die Sprache als Vermittlerin zwischen Menschen und Maschinen; Hardware-Vielzahl als Hindernis für Wirtschaftlichkeit. Eine Frau, deren Impuls nicht im Rampenlicht lag – keine exponentielle Selbstdarstellung, sondern im methodischen Handeln. Einladung, Moderation, Spezifikation. In einer Zeit, in der Informatik noch junge Felder bildete, trägt ihr Handeln eine fast poetische Qualität. Hawes plante eine Sprache, die Menschen verstehen konnten – und so die Maschine dahin brachte, Menschen zu dienen.
COBOL lebt weiter
Heute, rund vierzig Jahre später, ist COBOL keineswegs tot – im Gegenteil. Viele Banken, Versicherungen und Verwaltungssysteme basieren noch immer auf COBOL-Code. Im Rückblick erweist sich Hawes Eingreifen als Weichenstellung: Für eine Welt, in der Programmieren nicht nur Technik, sondern Kommunikation zwischen Mensch und Maschine ist. Doch ihre Person bleibt im Schatten. Ihr Name wird seltener genannt als zum Beispiel der von Grace Hopper. Vielleicht weil Technik-Geschichten oft Held:innen brauchen und nicht Initiator:innen, Moderator:innen, leise Wegbereiter:innen.
Notizen in einer wandelbaren Welt
Mary K. Hawes mag eine der stillen Architektinnen der Computer­geschichte sein – doch gerade diese Stille macht ihre Geschichte wertvoll. Sie erinnert daran, dass Technik nicht nur von großen Namen, sondern auch von klugen Initiativen lebt. Ihre Initiative im Frühjahr 1959, ein Treffen an der University of Pennsylvania zur Vereinheitlichung der Programmiersprachen, öffnete einen Raum, in dem Bewegung möglich wurde. COBOL erklärt nicht nur, wie man Maschinen befiehlt, sondern wie man Menschen befähigt, ihre Arbeit effizienter zu gestalten. Wer heute in alten Mainframes oder modernen Datenbanken stöbert, sollte nicht nur die Maschinen sehen, sondern auch die Person, die den Dialog zwischen Mensch und Maschine angestoßen hat.